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Walter Sickert

Übersicht - Grosse Meister

Walter Sickert

Von einem intensiven Interesse für Techniken und Malweisen beseelt, arbeitete der Engländer Walter Sickert vorwiegend mit dunklen, satten Farben, die er stets schichtweise übereinander auftrug.

,,Ich habe die Fragen der Technik mit Sicherheit gelöst, und wenn ihr alle auf mich hören würdet, könntet ihr euch 15 Jahre mühsames Herumprobieren ersparen." Dieses außerordentlich selbstbewusste Zitat ist charakteristisch für den englischen Maler Walter R. Sickert (1860-1942), der als fahrender nachimpressionistischer Künstler Englands gilt. Zeit seines Lebens experimentierte dieser geistreiche und wortgewandte Mann voller intellektueller Neugier mit den verschiedensten Techniken und interessierte sich leidenschaftlich für die handwerklichen Aspekte der Malerei.
Stufenweise
Typisch für Sickert war die Aufteilung des Malprozesses in mehrere Arbeitsschritte. Damit knüpfte er an malerische Traditionen der französischen Akademiemaler an. Der in München geborene Künstler probierte ständig neue Arten der Untermalung aus; meist hatte er in diesem Stadium auf der Leinwand die Komposition des späteren Bildes bereits vollständig durchgearbeitet, während die farbige Ausgestaltung dem letzten, endgültigen Arbeitsgang vorbehalten blieb. In einigen seiner Bilder hat Sickert sogar mit der alten venezianischen Methode experimentiert, indem er mit Öl auf einer Untermalung aus Eitempera arbeitete.
Sickerts nimmermüdes Interesse an der Wirkung verschiedener Unter- und Übermalungen ergab sich aus einem Dilemma, das wohl jedem Künstler vertraut ist: Wie kann man an einem Bild weitermalen und es überarbeiten, ohne dabei die Frische und Leuchtkraft des ersten Auftrages aufgeben zu müssen?
In seiner Jugend begeisterte er sich für die Kunst James McNeill Whistlers. Von diesem Meister hatte er gelernt, eine dünne Farbschicht über die andere aufzutragen. Bei dieser Methode musste er zwischen zwei Aufträgen die Farbe teilweise wieder abschaben, weil sonst die Farbschichten zu pastos geworden waren und die Farben ihre Leuchtkraft verloren hatten.
Deshalb finden sich selbst in seinen dunkelsten, am stärksten von Whistler geprägten Werken eine ausdrucksstarke lebhafte Frische.
Über den dunkleren Tonwerten der Untermalung liegen belebende satte Striche hellerer Farbe, die mit vollem Pinsel aufgetragen wurden. Typisch für Sickerts Arbeiten ist, dass diese Striche nicht nur farbliche Akzente setzen, sondern stets auch eine Art zeichnerisches Eigenleben haben.
Doch kaum hatte Walter Sickert eine charakteristische Malweise zur Vollendung entwickelt, suchte er nach neuen Wegen und nach anderen Ausdrucksmöglichkeiten. Man mag sich fragen, warum eine so perfekte und anpassungsfähige Malmethode überhaupt einer Veränderung bedurfte. Die Antwort liegt vor allem in Sickerts Persönlichkeit: Ein Maler seines rastlosen Naturells musste zwangsläufig mit dem Erreichten unzufrieden sein, um weiter experimentieren zu können.

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